13. Jänner 2024
Der Standard
Der Kulturwissenschaftler Wolfgang Müller-Funk über Nationalismus, Demokratie und die Notwendigkeit, Dialoge zu führen, die das Gegenüber wirklich ernst nehmen
„Wir dürfen den Feinden der Demokratie nicht den Begriff der Gemeinschaft überlassen, sondern sollten ihm – analog zur Neudeutung von Heimat – eine demokratische Bedeutung verleihen“, postuliert Wolfgang Müller-Funk.
Auszug
…. Die modernen Individuen sind zumeist als Männer gedacht, aber diese Art von Lonesome-Rider-Attitüde kann auch weiblich daherkommen. In seinem witzigen und zugleich erhellenden Buch Das unverschämte Ich. Eine Heldengeschichte der Moderne entwirft der Philosoph Josef Früchtleine Typenreihe des modernen individualistischen Subjekts, bei der er drei deutschen Denktraditionen jeweils einen filmischen Archetyp gegenüberstellt, dem Idealismus Hegels den solitären Westernhelden, der Romantik den Verbrecher, dem Zynismus Nietzsches den Übermenschen in Gestalt von Supermann und Cyborg.
Der erste Mensch, dem wir in unserem irdischen Dasein begegnen, ist indes nicht der Krieger, nicht der abgründige Verbrecher und auch nicht Supermann, Typen, die durch die Unterwerfung, Lebensverachtung und den Tod der Anderen Selbstwert lukrieren, sondern, wie Todorov darlegt, es ist, ganz unsentimental gesprochen, ein weibliches Wesen, das uns Liebe, Geborgenheit und Anerkennung schenkt: Die Mutter.
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