Sorry seems to be the hardest word

Das Ritual der Entschuldigung

Gast: Wolfgang Müller-Funk, Kulturwissenschafter.
Moderation: Xaver Forthuber
7. Juni 2017
ORF Ö1
Punkt EIns

Ein Politiker sieht sich nach einem öffentlichen, verbalen Fehltritt zu einer öffentlichen Entschuldigung gedrängt. Mehr oder weniger schnell, mehr oder weniger von sich aus.

Der Chef eines Autokonzerns leistet Abbitte für den Abgasskandal, als der sich nicht mehr leugnen lässt – ehrlich gemeint?

Staatschefs entschuldigen sich spät für die Kollektivschuld vergangener Generationen oder für das, was verspätet als Unrecht erkannt wurde – aber was bringt das? So manche entschuldigen sich absichtlich nicht oder nur zum Schein, in Formulierungen, die eher Widerwillen als Einsicht verraten.

Ein Eingeständnis sollte eine Entschuldigung enthalten, sichtbare Reue, eine Bitte um Vergebung, ohne die Sache von vornherein als erledigt anzusehen, und die Aussicht von Konsequenzen.

Die Schuld oder konkrete Schuldige zu suchen, ist eine verbreitete Reaktion, um Ereignisse aller Art verarbeiten zu können – auch wenn es nicht immer eine eindeutige oder gar befriedigende Antwort darauf gibt. Dann bleibt auch noch die Frage nach weiteren Konsequenzen, etwa einem Rücktritt von Mandat oder Position.

Ist mit der Entschuldigung nur die Schuldfrage oder auch die Schuld aus der Welt geschafft?

Der Kulturwissenschafter Wolfgang Müller-Funk diskutiert mit Ihnen und dem Moderator Xaver Forthuber über die Entschuldigung als Ritual in Politik, Wirtschaft, als Teil der Alltagskultur und im interkulturellen Vergleich.

Foto Cup of Couple /pexels